The Fall – Variationen zu Bergman

“ Vielleicht braucht Gott mich eines  Tages, dann wird er mich aus meinem Gefängnis erlösen“

Es spielen: Natalia Bobyleva, Irina Miller, Natalia Schmidt

Regie & Bühnenbild: Dimi Bilov

Assistenz: Irina Schneider, Anna Gall

Premiere: 24. Januar 2003, Orangerie-Theater im Volksgarten, weitere Vorstellungen: Arkadas-Theater, ARTheater, Filmhaus Köln, Russisches Theater Berlin

Aufführungsdauer: ca. 2 1/2 Std.

Ingmar Bergman, 1918 in Uppsala geboren, wuchs in einem  Pfarrhaus auf, was ihn und seine Arbeit entscheidend prägte. Neben seiner Filmarbeit widmete sich Bergman auch immer wieder dem Theater.

Seine zahlreichen Filme – unter anderem „Das Lachen einer Sommernacht“, „Wilde Erdbeeren“, „Das Schweigen“, „Schreie und Flüstern“, „Szenen einer Ehe“ , “Fanny und Alexander“ und Theaterinszenierungen ( „Hamlet“, „Die Geistsonate“, „Dreigroschenoper“, „Drei Schwestern“, „Faust“ u. s. w.) haben ihm Weltruhm eingetragen.

„Warum müssen wir leben?“ – diese Frage besetzt einen zentralen Platz in der Kunst und im Leben Bergmans.  Seine Fragen sind die eines Kindes: „Warum müssen wir leben? Wer sind wir? Gibt es ein Gott?“  Viele Erwachsene glauben, dass sie die Antworten gefunden haben. Ingmar Bergman stellt sie wieder und wieder.

Liv Ullmann (Eva) und Ingrid Bergman (Charlotte)

 

„Meine grundlegende Ansicht von Sachen ist – keine grundlegende Ansicht von Sachen zu haben. Vom Sein außerordentlich dogmatisch, haben sich meine Ansichten über das Leben stufenweise aufgelöst. Sie bestehen nicht irgendwie länger.“ Bergman schrieb „Herbsonate“ 1977, der Film wurde 1978 produziert.

Natalia Bobyleva (Charlotte) und Irina Miller (Eva)

„The Fall“ – ist eine Bearbeitung der „Herbsonate“. Der Autor übertrug seine Drehbücher selbst auf die Bühne (z.B. „Szenen einer Ehe“). Seine Skripte zeichnen sich durch gute Dialoge aus, die im Film wie auf der Bühne gleichermaßen mitreißen. Es ist das Leben selbst, mit Bergmans Augen gesehen. Deswegen bleiben Bergmans Werke aus den 70er-Jahren immer noch aktuell, modern, ergreifend.

Fotos: Odarka Fischer-Orl

Pressestimmen:

„Kölnische Rundschau“, 6 Februar 2003

Es ist ein lebenslanges Drama zwischen Müttern und Töchtern. Du liebst mich,
du liebst mich nicht. Diese explosive Mischung aus Erwartung und Distanz
liefert die verlässlichen Koordinaten für die Theaterproduktion „The Fall“, einer
Variation zu Ingmar Bergman Film „Herbstsonate“.
…Die Mutter (Natalia Bobyleva) kommt zu Besuch. Nach sieben Jahren sieht sie ihre Tochter
Eva (Irina Miller) und Helena (Natalia Schmidt) wieder. Sie, die ehrgeizige Konzertpianistin, hat gerade ihren Geliebten Leonardo verloren und erwartet: Trost, Bewunderung, Aufmerksamkeit. Eva gibt die brave Tochter, die sich aufopferungsvoll um die behinderte Schwester Helena kümmert. Doch dahinter lauert Angst, Wut, Liebe. Hass auf eine Mutter, die für ihre Chopin-Partituren gelebt hat. Die Tochter war nur eine weitere lästige Etüde: „Du hattest alle unsere Worte unter Kontrolle. Ich liebte dich auf Leben und Tod.“…..
Hier wird aufgerechnet – Auge um Auge, Zahn um Zahn. Der lange Kampf der Figuren um ihre persönlichen Wahrheiten ist nur zu ertragen, weil Natalia Bobyleva und Irina Miller dieses Seelendrama glaubhaft und unprätentiös auf die Bühne stellen. Sie entwickeln stimmige emotionale Bögen, ziehen präzise wie Schachfiguren auf dem Holzboden hin und her. Die karge Bühne ist ein Spielplatz existenzieller Gefühle, viele kleine Steine umrahmen sie wie Gedenksteine, totes Material, Erinnerungsschutt…
Wie fleischgewordene schlechte Gewissen muss die behinderte Helena im Rollstuhl sitzen und schweigen…
Was bleibt: schlechtes Gewissen, falsche Entscheidungen und Lebenslügen: „Es gibt keine Ausrede, du bist schuldig“

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