Gespenst des Joaquín Murieta

nach dem Drama von Pablo Neruda

Glanz und Tod des Joaquín Murieta, chilenischer Bandit, getötet wider alle Gerechtigkeit in Kalifornien am 23. Juli 1853.

Sie kommen in ein fremdes Land, weil zu Hause Armut herrscht und sie dort zum Sterben verurteilt sind. Sie haben einen menschlichen Traum: wohlhabend zu werden und ihren Kindern ein besseres Leben schenken zu können. Sie sind jung, manche sind verliebt, manche sind verheiratet, manche haben Kinder. Sie können und sie wollen arbeiten. Doch da, wo sie hinkommen, sind sie nicht erwünscht, diese Fremdlinge mit der dunklen Haut, mit einer anderen Sprache, mit den komisch klingenden Liedern und mit befremdlichen Lebensritualen.

Klingt das bekannt?

Diese Geschichte spielt sich allerdings in der Mitte des 19. Jahrhunderts ab. Es ist die Geschichte der Südamerikaner, die zur Zeit des Goldrauschs nach Kalifornien kamen. Und es ist die Geschichte eines Mannes, der mit den Morden an seinen Landsleuten, mit den Vergewaltigungen der Frauen nicht einverstanden war und der zum Kampf aufrief: die Geschichte des legendären Bandido Joaquín Murieta, Inspiration für die spätere Zorro – Figur.

Das dramatische Poem von Neruda (Literaturnobelpreis 1971) ist mystisch und lyrisch, protestierend und trauernd. Der chilenische Autor, der sich gegen den Faschismus in seinem Heimatland und in Spanien einsetzte, erfuhr am eigenen Leib, worüber er schrieb. Dieses Werk ist sein „Oratorium des Aufruhrs“:

Das Gespenst des Joaquín Murieta durchirrt noch immer Kalifornien. In den Mondnächten sieht man es auf seinem nach Rache dürstenden Pferd die Prärien durchqueren…Deshalb musste er erneut geboren werden, auf seine Art: Schatten oder Flamme, Held einer harten Zeit, Rächer ohne Hoffnung. Wenn ich mich vom Wind des Zorns tragen ließ, der ihn begleitete, wenn meine Worte übermäßig scheinen, ich bin­´s zufrieden“ –  so schreibt Pablo Neruda.

Es spielen: Anne Müller, Asta Nechajute, Pia Stutzenstein,
Miguel Dagger, Georgios Markou, Jan-Martin Müller
Regie, Textfassung, Bühne: Irina Miller
Regieassistenz – Alexandra Hespe, Nele Milas

Kunsthof Greven, 23.09.2017

Choreographie – Rhina Raths
Gesangcoach – Lisa Glatz
Musik – Vladimir Miller
Licht – Gregor Weber
Schattenspielcoach – Dimitri Lermann

Premiere: 14.09.2017, Orangerie-Theater im Volksgarten

Aufführungsdauer: ca. 1 St. 40 Min.

Fotos: Klaudius Dziuk

Pressestimmen:

...Irina Miller, Autorin des Stückes und auch verantwortlich für Regie und Bühne, ist fasziniert von dem Stoff, wie sie im privaten Gespräch bei der Premierenfeier verriet.. sie hat eine spannende, sehr vielschichtige Bühnen-Collage geschaffen, mit vielen Einzelszenen, mit viel Fantasie, mit viel Spannung, mit dem Reigen um Gold und Geld und auch mit Musik, die an Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ erinnert, als der geheimnisvolle Stein erforscht wird – vielleicht ein bewusstes Zitat.

Die Schauspieler hängen sich sehr überzeugend in ihre Rollen rein, Asta Nechajute, Miguel Dragger, Georgios Markou, Pia Stutzenstein, Anne Katharina Müller und Jan-Martin Müller – mehrere von ihnen spielen zwei oder drei Rollen, ihnen allen gebührt eine kleine Palme des Abends. So ausgeglichen, so gleichermaßen hervorragend spielt und singt das Team auf der geschickt-schlichten Bühne. Wenige Requisiten, begleitende Schattenspiele auf einem runden Bildschirm und schneller Szenenwechsel durch schwarze Vorhänge und Kostüm-Accessoires schaffen einen dichten überzeugenden Theaterabend, über den man auch im sehr informativen Abendprogramm gerne noch nachlesen mag. Ein langer stehender Applaus belohnte zur Premiere die sehr ungewöhnliche Produktion. ( 19. September 2017, Choices Köln)

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